COVID-19: MÖGLICHE KRISEN-PRÄVENTION IM WAREHOUSE

DR. THOMAS KLEVERS, MANAGING PARTNER GEPRO MBH

 Mit zunehmenden Infektionszahlen steigt auch die Notwendigkeit, geeignete Maßnahmen zur Reduktion der Ansteckungsgefahr in verschiedenen betrieblichen Bereichen, aber auch zur Sicherstellung der Funktionsfähigkeit im Ansteckungsfalle einzuführen. Ein Bereich, in dem eine hohe Infektionsgefahr besteht, ist das Warehouse. Gleichzeitig sind hier die Folgen eines Ausfalls dramatisch und reicht vom Stopp der Produktion aufgrund nicht mehr bereitgestellter Teile bis zum Lieferstopp, da fertige Produkte nicht mehr versandt werden können.

Wir haben für unsere Kunden eine Aufstellung der möglichen Präventionsmaßnahmen erarbeitet, die wir gerne allgemein zur Verfügung stellen. Der Leitgedanke ist, dass Corona nicht von alleine zum Arbeitsplatz kommt, sondern wird mitgebracht wird und daher das "Mitbringrisiko" minimiert werden muss.

Die einzelnen Maßnahmen werfen Fragen auf, die im Vorfeld geklärt werden müssen. So beim Thema "Aufteilung der Arbeitszeit in Schichten": Wird das Warehouse-Team in zwei Teams aufgeteilt und die Schichtdauer (z.B. 8 h) beibehalten, so muss die erste Schicht u.U. deutlich vorverlegt werden (z.B. auf 6:00 oder früher), gleichzeitig rutscht das Ende letzte Schicht stark nach hinten (22:00 oder später). Dabei müssen Pausen zwischen den Schichten für Desinfektion und kontaktlosen Übergang eingerechnet werden. Bei dieser Lösung kommen Mitarbeitende ggfs. so früh gar nicht ins Werk oder so spät weg, aufgrund fehlender Verfügbarkeit von ÖPNV-Verbindungen. Oft fehlt die Bereitschaft der Mitarbeitenden zu dieser Lösung wegen privater Termine und Verpflichtungen, die dann ggfs. nicht mehr wahrgenommen werden. Deshalb muss im Vorfeld geklärt werden, wer bei dieser Lösung mitmacht bzw. ob es ggfs. eine Möglichkeit der "Zwangsverpflichtung" gibt.

Auch bei der Alternative, Schichtzeiten anzupassen, besteht dieser Klärungsbedarf. Eine Verkürzung der Schichtzeiten, z.B. 2 * 6 h, Schichtdauer von 7:00 (7:30) bis 19:30 (20:00), könnte ein Entgegenkommen darstellen, ggfs. verbunden mit wochenweisen Wechselschichten (z.B. eine Woche 1. Schicht, dann 2. Schicht).

Die Frage der Aufteilung der Arbeitsinhalte ergibt sich vor allem für Versandlager: Deckt eine Schicht alle Prozessschritte (also Kommissionieren, Verpacken, Versenden) ab, erreicht man höchste Autarkie: fällt eine Schicht aus, kann die andere dennoch weiterarbeiten. Benötigt wird jedoch eine Priorisierung der Aufträge bzgl. Liefertermin (Aufträge der zweiten Schicht gehen dann nicht mehr am gleichen Tag raus). Bei einer Aufteilung der Prozessschritte wird eine Verlängerung der DLZ im Lager stattfinden, gleichzeitig besteht die Gefahr eines Staus vor Packerei oder im Versand. Fällt dann ein Team aus, muss kurzfristig auf Komplettabdeckung der Bearbeitung umgeschaltet werden.

Bei der Vorgabe von verpflichtenden Tests, egal ob bei jeder Schicht oder rollierend, muss die Rechtliche Zulässigkeit und Durchsetzbarkeit geprüft sowie die operative Organisation geklärt werden. Hier kann ggfs. der betriebsärztliche Dienst herangezogen werden.

Auch das Thema "Maskenpflicht" muss gut vorbreitet werden: Festlegung, Kommunikation und Durchsetzen der Konsequenz bei Nichtbefolgen sind Punkte, die vorher durchdacht werden müssen – und die Maskenpflicht darf sich dann nicht nur auf das Lager beschränken, sondern muss für das gesamte Gelände und alle Räume gelten.

Wir empfehlen eine gestufte Vorgehensweise:

1.           Maskenpflicht, Abstandsvorgaben und Hygieneregeln auf dem gesamten Gelände

2.           Schichttrennung, mit geeignetem Modell

3.           Weitere Maßnahmen: Fiebermessen, Tests.

Alle Maßnahmen verursachen Kosten bzw. eine Reduktion der Leistung und auch Durchlaufzeit der Bearbeitung. Das ist der "Preis" für eine entsprechende Absicherung, denn ein Stillstand im Lager würde sicher zu deutlich höheren Kosten führen.

Gerne unterstützen wir Sie bei der Frage der Prozessgestaltung und Vorgehensweise in der Corona-Zeit: Als Ideengeber, Gesprächspartner oder auch als Interimsmanager, die temporär unterstützen. Sprechen Sie uns an!

Covid 19: Mögliche Krisen Prävention im Warehouse

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