Intralogistik aus erster Hand: Digital – Vernetzt – Innovativ

LogiMAT 2018 - ein Messebericht

Vom 13.03.2018 bis zum 15.03.2018 fand in Stuttgart die alljährliche LogiMAT, Deutschlands führende Messe für Intralogistik und Fördertechnik, statt. Und wie könnte man die 16. Ausgabe der Fachmesse besser zusammenfassen als mit den Worten eines langjährigen Ausstellers "Die Messe ist nicht mehr das, was sie einmal war". Dies gilt sowohl in positiver als auch in negativer Richtung: War die Messe einmal eine Plattform, in der sich deutsche Intralogistiker auf Stand brachten, so ist die Messe heute ein internationales Show-Event der Superlative. Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder: 1540 Aussteller aus 38 Ländern, 117.000 m² Ausstellfläche in 10 Hallen und 55.300 Fachbesucher bedeuten einen neuen Rekord und ein Wachstum von 10% gegenüber dem Vorjahr.

122 mehr oder weniger revolutionäre Weltneuheiten wurden im Vorfeld der Messe angekündigt und an den Ständen der Hersteller präsentiert. Besonders überzeugen konnte dabei der neue Schubmaststapler ETV 216i der Firma Jungheinrich; ein Stapler, bei dem durch den Einsatz einer wartungsfreien Lithium-Ionen-Batterie das Design komplett an der Funktionalität und der ergonomischen Bedienung ausgerichtet wurde. In der Vergangenheit wurden Schubmaststapler zumeist um die platzintensive Blei-Säure-Batterie herum konstruiert. Auch das Hubmaster System der Firma Basstech Engineering konnte sich über regen Zulauf freuen: Ein neues und innovatives Schmalgang-Regalbediensystem, das an Regalperipherie aufgehangen und ohne Bodenberührung verfährt. Die Firma Knapp nutze die Messe, um sein neues OSR Shuttle™ Evo vorzustellen. Dieses Shuttle wurde besonders auf Flexibilität (2 Achsen) und optimierte Raumausnutzung ausgelegt.

Eine weitere Weltneuheit, zudem Preisträger des Awards "BESTES PRODUKT" in der Kategorie "Kommissionier-, Förder-, Hebe-, Lagertechnik", ist der Kommissionierroboter SOTO der Firma Magazino. Dieser mobile wahrnehmungsgesteuerte Roboter ist das erste System, das vollständig autonom Kartons und KLT bis 15 kg greifen und zum Zielort transportieren kann. Hierbei zeichnet sich ein Trend der diesjährigen Messe ab: Die Skalierfähigkeit und Flexibilität von Systemen wird zunehmend zum Markttreiber. Shuttles, Robotersysteme wie das SOTO und Lagerlösungen wie Autostore laufen herkömmlichen Lagersystemen zunehmend den Rang ab. Das erwähnte Autostore-System konnte in diesem Jahr an nahezu allen Ständen der großen Systemintegratoren wiedergefunden werden. Eine besonders ansprechende Demo-Version fand sich am Stand von Hörmann Logistik, die ihren Stand extra für Autostore um 30% im Vergleich zum Vorjahr vergrößerten.

Man merkt: Shuttle Technologie ist weiter auf dem Vormarsch, sowohl bei Integratoren als auch bei Systemlieferanten. Zunehmend verlassen diese Fahrzeuge auch das Regal und übernehmen Transporte durch die Halle. Dabei werden klassische Funktionsgrenzen zwischen Lager und Transport aufgelöst.

Ein weiterer Trend der Messe geht in Richtung höherer Energieeffizienz.  Neue Energieaufnahme-Systeme durch Kondensatoren (Power Caps) wurden sowohl für Shuttles als auch für Regalbediengeräte präsentiert. Für erstere geht der Trend hin zu Schnellaufladungen, so dass Schleifleitungen obsolet werden, wie beim Compact Shuttle der Firma Dambach. Das Paletten-Shuttle bezieht seine gesamte Energie aus einem 8 Sekunden dauernden Ladevorgang beim Vertikalumsetzen durch eine Hebeeinrichtung. Der Vorteil von Kondensatoren in Regalbediengeräten zeigt sich besonders in der Umwandlung von Bremsenergie in Nutzenergie. Hier war besonders das Regalbediengerät STC 2B1A der Firma Jungheinrich ein Hingucker auf der Messe.

Trotz des diesjährigen Slogans der Messe "Digital – Vernetzt – Innovativ" bleibt festzuhalten, dass der Trend "Industrie 4.0" die Intralogistik nicht so stark verändert wie die Produktion. Steuerungen müssen zunehmend mit einer steigenden Komplexität umgehen. Dabei ergeben sich neue Herausforderungen aus dem immer heterogeneren Marktumfeld. Steuersysteme müssen zunehmend mit einer Vielzahl an Komponenten interagieren. Auf der Messe wurden viele unterschiedlichste Systeme angeboten. Daraus ergeben sich Initiativen großer Unternehmen wie BMW, die eigene Entwicklungsprogramme zur Standardisierung von Kommunikationsprotokollen zwischen Fördersystemen aufsetzen.

Automatisierer und Integratoren haben zunehmend mit der oben genannten Herausforderung zu kämpfen, nämlich einer wachsenden Komplexität unterschiedlichster Lager-, Fluss und Kommissionier-Systeme, die in einem Logistiksystem vereint werden müssen. Besonders der Anlagenhochlauf wird von Betreibern und Endkunden dabei oftmals unterschätzen.

Der zunehmende Trend der Digitalisierung lässt sich jedoch an den jährlich zunehmenden Ausstellungsflächen von Software- und IT-Anbietern messen. Besonderen Zulauf fanden auch dieses Jahr wieder Produkte, die Software- und Technik-Lösungen integrieren. So zum Beispiel das Produkt MARK des Münchener Start-Ups ProGlove, das ebenfalls mit einem Award "BESTES PRODUKT" ausgezeichnet wurde. Das System ermöglicht es, direkt mit dem Handschuh zu scannen. Zusätzliche Peripherie-Geräte werden damit überflüssig und der Mitarbeiter hat beide Hände zum Arbeiten frei.

Als Fazit der Messe lässt sich sagen, dass sich die deutsche Intralogistik-Branche als solider Pfeiler der deutschen Wirtschaft sehen lassen kann. Ein Entwicklungstrend geht dabei ganz klar von großen Standardlösungen hin zu kleinskaligen, flexiblen und schnellen Lager- und Fördersystemen, die auf den exakten Bedarf des Kunden abgestimmt sind. Liefergeschwindigkeit wird dabei zum Treiber.

Wir von GEPRO sind gespannt, wie diese Reise in 2018 weiter geht, und freuen uns, ein Akteur in diesem spannenden Marktumfeld sein zu dürfen.

von Dr. Markus Klevers


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